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Was bedeutet denn überhaupt Montessori-Pädagogik im Kindergarten?

Diese Frage bekomme ich bei unseren Anmeldenachmittagen so oder ähnlich, jeden Monat von vielen jungen Eltern gestellt. Sie haben davon gehört, sich übers Internet informiert, Bücher gelesen, kennen Eltern die ihre Kinder bereits herbringen oder finden etwas anderes einfach interessant. In einem kurzen Gespräch kann ich natürlich nicht alles erklären und beleuchten. Aus diesem Grunde bieten wir einmal im Jahr ein Elternseminar, bestehend aus einem theoretischen Abend, der die Anthropologie der Pädagogik beleuchtet und einem praktischen Abend, bei dem die Eltern mit den Montessori-Materialien spielen und arbeiten können.

Erklären kann ich aber, daß alle Erzieherinnen eine zusätzliche Ausbildung in Form des Montessori-Diploms haben und wir nach den Prinzipien der Pädagogik von Maria Montessori arbeiten und dazu Montessori-Material in verschiedenen Bereichen anbieten. Wie in jedem Kindergarten finden sich bei uns eine Rollenspielecke, Bauecke, eine bunte Bilderbuchauswahl, Stifte und Farben jeder Möglichkeit, Knete und Wasserfarben. Es wird geturnt, gewerkt, gebastelt, gesungen und musiziert, gespielt und gelacht. Viele Ausflüge und Aktivitäten finden statt. Alles ist in soziale Regeln eingebettet, die für die Kinder einsichtig sind und auf deren Erhalt wir sehr viel Wert legen.

Die Montessori-Materialien liegen in offenen Regalen nach ihrem Bereich sortiert für die Kinder immer griffbereit zur Verfügung. Es herrscht das Prinzip der Einmaligkeit, alles ist nur einmal vorhanden, wird aus dem Regal geholt und dann kann das Kind damit umgehen, solange es möchte und daran interessiert ist. Abschließend wird alles wieder ordentlich auf dem anstammen Platz im Regal eingeräumt. Wir Erzieherinnen geben auf Wunsch eine Einführung, ebenso gut wird aber ein älteres Kind einem jüngeren helfen, oder ein Kind auf Grund seiner Beobachtung selbständig damit arbeiten.

1. Die Übungen des täglichen Lebens
Hier können Kinder schütten und löffeln, nähen und kochen, putzen und waschen, Schuhe putzen, eine Kerze anzünden, Knöpfe schließen und öffnen, alle Dinge nachempfinden und vor allem praktisch erlernen, was wir Erwachsenen spielend und nebenher erledigen. Denn jedes Kind will lernen, strebt nach Selbständigkeit und möchte wie der Erwachsenen sein. Montessori erwählte aus ihrer Beobachtung der Kinder den Spruch „ Hilf mir es selbst zu tun“.

2. Die Sinnesmaterialien
Alle Sinne werden einzeln angesprochen durch spezielle Materialien differenziert geschult, als Beispiel nenne ich die Farbtäfelchen. Hier lernt das Kind Farben kennen, benennen, zu assoziieren, Abstufungen zu unterscheiden und kann sogar in einem Sprachspiel alle Steigerungsformen der Benennung kennenlernen. Es lernt spielerisch anhand von „Rosa Turm“ , „den roten Stangen“, der braunen Treppe“, den Einsatzzylindern, zu ordnen, zu klassifizieren, zu differenzieren und zu kontrastieren. Dazu gehört auch der Umgang mit Oberflächenbeschaffenheiten, Geräuschen, Geschmack- und Geruchsrichtungen. Denn nichts ist im Geiste, was vorher nicht in den Sinnen war.

3. Mathematikmaterialien:
Vom konkreten Material bis hin zu theoretischen Rechenoperationen und dem Eintragen in kleine Rechenheftchen ist alles möglich. Es kann bis 1000 gezählt und Perlen entsprechend der Pfeile zugeordnet werden, es wird wild addiert, multipliziert, dividiert und subtrahiert, es kann das Einmaleins ausgelegt und das Hunderterbrett gefüllt werden. Zahlen werden nachgespürt und ausgemalt. Freude an Zahlen und Riesensummen ist spürbar.

4. Sprachmaterialien
Lautgetreu kann das Kind Buchstaben legen, dadurch Laute zu Wörtern formen, diese abschreiben, selbständig erlesen und im Raum den Gegenstand suchen. Kleine Aufträge entziffern, diese ausführen, ganze Sätze abschreiben und Buchstaben anmalen. Kleine Leseheftchen erlesen, selber Schreibheftchen füllen und sich die Welt der Buchstaben erschließen.

5. Die kosmischen Materialien
Die Welt ist riesengroß und bunt. Deshalb gibt es Experimente und viele Möglichkeiten um zu testen, was ist magnetisch, was leitet Strom weiter, was schwimmt? Aber auch: welches Tier lebt in Südamerika, welche Spuren hinterlässt ein Hase im Schnee? Wie hört sich der Gesang des Rotkehlchens an und welche Fahne hat das letzte Urlaubsland. Wie sieht die Blüte vom innen aus und welche Blattformen gibt es?

 

Dies alles setzt voraus, daß die Materialien inhaltlich komplett vorhanden sind, nichts zu einer Übung fehlt, alles sauber und ansprechend dargeboten für das Kind bereit steht. Regeln eingehalten werden, die das Material schützen und im Besonderen die ernstzunehmende Arbeit des Kindes schützen und möglich machen. Kinder lernen in sensiblen Phasen und unsere Aufgabe als Erzieherin ist es, zu erkennen, wann Unterstützung notwendig ist und wie wir den natürlichen Wissensdurst der Kinder stillen können. Wir sehen uns als Helfer und Unterstützer in diesen ersten Jahren im Kindergarten und bieten unsere vorbereitete Umgebung im Kindergarten da- zu an.

Montessori sagte“: Sowie ein Kind nicht sagen kann es möchte nicht wachsen, kann es auch nicht sagen, ich möchte nicht lernen“.

Renate Hipp Leiterin Montessori Kinderhaus