Französische Kammermusik für Flöte, Viola und Harfe

Französische Kammermusik für Flöte, Viola und Harfe am 7.Oktober
2007
Der Südkurier berichtet wie folgt:
>>Linienspiel mit
Harfenzauber Ein Konzert, das klang, als sollten die leuchtenden und
opalisierenden Bilder der Impressionisten in Klangfarben übersetzt werden: Noble
Linien, schillernde Töne, helles Kolorit, Forte-Reflexe des Sonnenlichts und
durchsichtiges Pianissimo feiner Klangdämmerungen. In der Domschule des Münsters
spielte ein Raritätstrio für das Montessori-Kinderhaus: Querflöte, Viola, Harfe
- Ulrich Frey, Barbara Wernigk-Koch, Christine Baumann.
Was im Einzel- wie im Zusammenklang gelang, war die Vielfalt des Spiels von
Linien und Kolorit, die Klarheit der Tongemälde, die selbst im satten Ton der
Melodieinstrumente und im Glissandozug der Harfensaiten nicht in die Polster
deutsch-romantischer Üppigkeit versank. Das war schon so beim Einstand mit
Ravels Klavier-"Sonatine", die hier in Triofassung musiziert wurde. Wie ein
Glockenton läutete die erste Quarte zu den lichten Zweiunddreißigsteln des
Harfenspiels, piano und pianissimo wie leiser Ruf und geheimnisvolles Echo
erschien das Thema, mit sanfter Stimme und melodischer Doppelpunktierung sang
die Viola das lyrische Gegenlied. Auch da, wo der Komponist "très expressif"
vorschreibt, wurde das Sonatinen-Pastell nicht mit Sonaten-Öl übermalt. Graziös
tanzte das Menuett, fülliger wurde es bei den Arpeggien und den mit Quinten
schreitenden Beschleunigungen im Finale, doch über allen Farben verlor sich nie
die cantable Zeichnung.
Dass die Sätze für Harfe und Flöte "Pan und die Hirten, Pan und die Vögel" so
erfreuten, lag an der Komponistenkunst von Jules Mouquet und der Spielfreude der
Solisten. Denn sie mischten etwas antike Tonarten-Szenerie mit tänzerischer
Eleganz und, in Pans Wettflöten mit den Vögeln, mit heiterer Virtuosität der
Läufe, Triller, Sprünge.
Noch bildhafter, ja dynamisch sogar gebirgiger klang es in Albert Franz
Dopplers "Souvenir du Rigi". Das Trio erinnerte sich, werk- und stilgerecht, an
das Schweizerlebnis im französischen Salon. Herrlich, wie der Morgen dämmerte,
die Themen erwachten, zum Allegro aufstiegen, Lieder intonierten und wie dann
das Gipfelglöckchen (Klaus Wernigk läutete taktvoll leise die Clochette) die
Bravour-Erinnerung versilberte. Ganz anders sangen die "Gnossiennes" von Satie.
Dieser kompositorische Eigenbrötler wählte den philosophisch-religiösen Titel
nach der Gnostik - und lässt schlichte, orientalisierende Tanzlieder aufspielen.
Da intonierte die Flöte schlicht, die Harfe zupfte rituelle Synkopen, beide
meditierten über die neue Schlichtheit, mit der Satie gegen den Harmonieschaum
der Zeitgenossen seine klaren Klangbäder empfahl.
Das Finale: Debussys Trio wirkte wie ein Fazit des Konzerts. Deutlich kamen
die Motive, farbig (aber nicht kunterbunt) die Nuancen. In der "Pastorale" nahm
man die Regieanweisung "mélancoliquement" ernst, aber nicht depressiv: Wie über
dem fahlen Violen-Spiel (am Steg) die Flöte ihr "dolce" blies, wie die Harfe die
festen Akkorde mit leichtem Nachhall einfügte, das war so reich wie das Menuett
mit seinen rhythmischen Frei- und Feinheiten, wie das Finale, das zur
Klangrhapsodie bis zum "marcato" sich steigerte und mit klangintensiver
Doppelpointe endete. Blumen, Wein, Dank, Beifall für eine musisch wohltuende
Musik-Wohltat.<<
Helmut Weidhase Südkurier Konstanz 9.10.07
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