HÄUFIGE FRAGEN
Darf ein Kind in einer Montessorieinrichtung nicht tun und lassen, was es
will?
"Die Freiheit unserer Kinder hat als Grenze die Gemeinschaft, denn
Freiheit bedeutet nicht, daß man tut was man will, sondern Meister seiner selbst
ist."
Maria Montessori
Was sind die Lernziele und -inhalte?
Die Bildung der Gesamtpersönlichkeit des Kindes ist vorrangiges
Erziehungsziel. Deswegen werden Erziehung zur Selbstständigkeit und Erziehung
zum eigenverantwortlichen Handeln besonders ernst genommen.
Was heißt Freiarbeit und worin unterscheidet sie sich vom herkömmlichen
Schulunterricht?
Die Besonderheit liegt zum einen im individuellen Lernen und zum anderen im
spezifischen Montessori-Arbeitsmaterial.
In der Freiarbeit wird jedes Kind dort abgeholt, wo es in seiner Entwicklung
steht. Jedes Kind lernt aus eigenem Antrieb und aus Neugier, die durch die
vorbereitete Umgebung geweckt werden, und geht selbständig einen Lernschritt
nach dem anderen.
Was passiert, wenn ein Kind nur rechnen will, aber nicht schreiben? Darf es
das?
Grundsätzlich wählt jedes Kind das Arbeitsthema, das seinem momentanen
Interesse entspricht. Wenn ein Kind jedoch einen Lernbereich über einen längeren
Zeitraum komplett ausklammert, sind die Lehrerinnen und Lehrer gefragt. Sie
gehen den Gründen auf die Spur und werden das Kind behutsam an das verweigerte
Thema heranführen.
Leidet bei der Individualisierung in Montessori-Einrichtungen nicht die
Sozialerziehung?
Viele Montessori-Materialien können einzeln wie auch in Partnerarbeit
verwendet werden. Spiel, Fest und Feier, musisch-künstlerische Aktivitäten,
Lied und Tanz, Sing-, Kreis- und Bewegungsspiele, Rollenspiele, die Übungen des
praktischen Lebens, Pflanzen- und Tierpflege bieten eine Fülle gemeinsamer
Tätigkeiten, die das soziale Lernen ermöglichen und fördern und zum Grundbestand
der Montessori-Praxis gehören.
Lernt mein Kind genug in Montessori-Einrichtungen, wird auch Leistung
gefordert, wenn es "nur" frei wählen soll?
Freie Wahl ist das leitende pädagogische Prinzip, aber es gibt auch die
Pflicht des Erziehers (der Erzieherin) oder Lehrers (der Lehrerin), dem Kinde
oder Schüler etwas anzubieten, was es seiner Entwicklung nach können müsste oder
wo es immer einen "Bogen" um die Sache machte. Vorrangig sind auch hier die
sorgfältige Beobachtung der Kinder und die Fähigkeit des Erziehers (der
Erzieherin), dem Kinde wiederholt und ggf. auf neue Weise eine Aufgabe zu geben.
In der Schule sollte der Grundsatz beim Schüler sein: keine Stunde ohne
selbst gestellte Aufgabe. Ein an der Wand ausgehängter Wochen- oder Monatsplan
des zu lernenden Stoffes kann eine Motivations- und Orientierungshilfe für den
Schüler sein. Also: Der Wahlfreiheit steht - mit zunehmendem Alter - auch
die Zunahme selbst gestellter Aufgaben und Pflichten gegenüber. Fördern und
Fordern sind Grundprinzipien der Montessori-Pädagogik. Die Alters- und
Leistungsmischung in Montessori-Einrichtungen sind eine wesentliche Hilfe für
das Kind, sich von stärkeren, schnelleren oder besseren Kindern bzw. Schülern
motivieren zu lassen. Kinder suchen und wollen auch den Leistungsvergleich, aber
unter sich und nicht den vom Lehrer (von der Lehrerin) angestachelten Wettbewerb
und Leistungsdruck ohne Rücksicht auf die individuelle Leistungsfähigkeit.
Sind die Richtlinien und Lehrpläne des Landes BW auch für die
Montessorischule verbindlich?
Ja, sie sind auch für unsere Schule verbindlich. Die Richtlinien stehen nicht
im Widerspruch zu den Prinzipien der Montessori-Pädagogik, sondern unterstützen
diese. Die Stundentafel (Fächer und Anzahl der Unterrichtsstunden) sind die
gleichen wie an Regelschulen, ebenfalls die Richtwerte für die Klassenfrequenzen
und die Anzahl der Lehrerstunden.
Wodurch unterscheiden sich Montessorigrundschulen von Regelschulen? Was ist
Erziehungsziel? Welche Prinzipien gelten?
Montessori-Grundschulen unterscheiden sich von Regelschulen durch ihren Weg,
die Ziele der Richtlinien und Lehrpläne des jeweiligen Bundeslandes zu
erreichen: in differenzierenden Unterrichtsformen werden den Kindern
Mitbestimmung bei der Arbeitswahl, Partnerwahl, Zeit- und Bewegungsfreiheit
zugestanden. Die Bildung der Gesamtpersönlichkeit des Kindes ist vorrangiges
Erziehungsziel. Deswegen werden Erziehung zur Selbstständigkeit und Erziehung
zum verantwortlichen Handeln besonders ernst genommen. Die Unterrichtsformen
an Montessorischulen können vielfältig sein: Freiarbeit, Gruppenarbeit,
Projektarbeit oder gebundener Unterricht.
Was geschieht nach Vollendung des 4. Schuljahres?
Die Kinder besuchen die weiterführenden Schulen in Konstanz . An der
Theodor-Heuss-Realschule gibt es eine Montessoriklasse. Wir sind im Gespräch mit
weiteren Schulen.
Sind beim Übergang zu anderen Schulen besondere Schwierigkeiten zu
erwarten?
Schwierigkeiten, die sich aus der pädagogischen Praxis der Schule ergeben,
sind nicht zu beobachten. Die Kinder haben die vom Lehrplan geforderten
Kenntnisse erworben und darüber hinaus viele zusätzliche Erfahrungen gemacht.
Sie sind mit verschiedenen Unterrichtsformen vertraut: mit Einzel-, Partner- und
Gruppenarbeit, mit Freiarbeit und Klassenunterricht. Lern- und Arbeitshaltung
sind oft sehr gut ausgebildet. Wohl können einige Kinder
Umstellungsschwierigkeiten haben, da sie von der Grundschule eine persönliche
Atmosphäre gewohnt sind, die es so an weiterführenden Schulen meist nicht
gibt.
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